TIPPS zum Gebrauch des interkulturellen Kalenders 4 = 1:

Warum die Idee dieses Kalenders?

Als interkultureller Mediator, aber vor allem als Zweiheimischer, hatte ich  das Bedürfnis, die Sprüche der Einheimischen bzw. deren Bedeutung zu verstehen; gleichzeitig entstand der Wunsch, den anderen mitzuteilen, dass es meist dazu auch in seiner Kultur eine Entsprechung gibt – manchmal mit ähnlichen, manchmal aber mit ganz unterschiedlichen Bildern und vielleicht auch Werten, die für SüdtirolerInnen auf Anhieb nicht verständlich sind.

Es ging also darum, die Kommunikation zwischen alten und neuen SüdtirolerInnen zu erleichtern und aufeinander neugierig zu werden.

Eine wichtige Rolle spielen die Symbole, denn sie sind nicht immer verständlich. Tiere verkörpern in den Kulturen unterschiedliche Eigenschaften: das arab. Schwein bringt z.B. kein Glück, die Hyäne gilt nicht als aggressives und gieriges Tier wie in der europäischen Vorstellung, sondern faul und lebt auf Kosten der anderen; die Schlange steht für Untreue, das Kamel für Geduld, Ausdauer und Weisheit; die Ameisen bergen das Geheimnis Gottes; die Wüste ist Symbol für das Schweigen, der Bart ist Symbol für Weisheit und Religiosität; Alkohol für Ungläubige – mangelnde Gottesfurcht; weiße Kleidung ist nicht nur für Reinheit, sondern auch für Trauer, Tod. Die Ratte ist für uns, auch die Araber, grausig, für die Inder (Hindu) heilig.

Dies nur als Beispiele für unterschiedliche Interpretationen und mögliche Missverständnisse. Es ist aber auch so, dass viele die richtige Bedeutung der Redewendungen sogar in ihrer eigenen Sprache nicht mehr kennen.

Bekanntes und Unbekanntes wollten wir deshalb auf kreative Art und Weise auch den Jugendlichen in Südtirol näher bringen und so haben wir einen Kalender mit Redewendungen in unseren Landessprachen und dem Arabischen gemacht. Wir möchten, dass der Kalender 4 = 1 nicht irgendwo weit weg gehängt wird, sondern dass er in den Alltag, z. B. eines Jugendzentrums, integriert wird.

Mit welchen Methoden kann ich das am besten machen?

  • Die Redewendung verdecken und nur die Illustration interpretieren lassen; Erfahrung: die Jugendlichen kommen über das Bild schnell auf die Bedeutung in ihren jeweiligen Kulturen
  • Frage, in welcher Sprache die Kalligraphie ist > zu welcher Sprachfamilie das Arabische gehört (= die seminitsche, dazu gehört auch das Hebräische, das Äthiopische). Erfahrung: das ist für viele migrantische Jugendliche sehr interessant, weil sie selbst nicht den Unterschied zwischen diesen und z. B. der persischen Sprachfamilie und den verschiedenen Schriften wissen (wo neben dem Farsi in Iran auch das Urdu in Pakistan, Indien, Bangladesh… dazugehört).
  • Tiere interpretieren lassen: ihre Symbole erklären lassen, ihre Sprache nachahmen lassen (auch das ist unterschiedlich!) und in den anderen Sprachen die Bezeichnung wiederholen lassen (damit alle etwas dazulernen).
  • Zu den Feiertagen: Raten lassen, warum auf dem Kalender nur der Sonntag eingetragen ist (weil er in Südtirol als Ruhetag eingehalten wird; auf andere Feiertage wurde aus Platzgründen verzichtet, sonst hätte man auch die muslimischen Feiertage eintragen müssen). Daraus folgen sicherlich Berichte über Feiertage in verschiedenen Kulturen (ist ein Bedürfnis von Jugendlichen und eine Wertschätzung der unterschiedlichen Kulturen > ermöglicht Integration)

Welche Momente eignen sich am besten, den Kalender zum Thema zu machen?

    • Das ist jederzeit möglich, wenn ich mich als JugendarbeiterIn bereits damit auseinandergesetzt habe;
    • Arabische (aber auch ladinisch-, italienisch- oder deutschsprachige) Jugendliche fragen, ob sie helfen, die Redewendung richtig auszusprechen und den anderssprachigen Jugendlichen beizubringen;
    • Bei jeder passenden Gelegenheit einen Spruch selbst verwenden (auch die fremden, original oder ev. in deutscher Übersetzung)
    • Kalender wie ein Spiel einsetzen bzw. einen guten Platz einräumen: an zentraler Stelle im Treff; gut einsichtbar und zugänglich (damit umgeblättert und gelesen werden kann);
    • Die alten Kalenderblätter (auch von 2010) im Klo aufhängen (als alternative Klosprüche)
    • Eine gute Möglichkeit ist auch, neue BesucherInnen in einem Rundgang auf den Kalender aufmerksam zu machen und einen für sie interessanten Aspekt anzusprechen;
    • Ein partezipatives Projekt mit Jugendlichen anbieten: Die Kalendersprüche ergänzen mit neuen ergänzen (entweder mit neuen Themenschwerpunkten oder neuen Sprachen) und einen Kalender für 2012 gestalten; (die verschiedenen Talente und die Vielfalt der Kulturen werden dadurch gefördert > schafft Wohlgefühl, Interesse, Angenommensein, Geborgenheit… und löst Polarisierungen einzelner Kulturgruppen)
    • Das Thema Solidarität und Zivilcourage (Thema des Kalenders 2011) bei aktuellem Anlass anhand der Sprüche behandeln (z. B. bei einem Vorfall, der die Jugendlichen betrifft)
    • Ein Angebot für einen Workshop „interkultureller Kalender“ (von Abdel und Gerda  in einem Jugendzentrum, möglichst in Zusammenarbeit mit mehreren Jugendtreffs/-zentren oder für Interessierte der Praxisgruppe interk. Arbeit /der Plattform O.J.a.)

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