Die Bedürfnisse des Integrationsprozesses

Die Integration ist kein Ziel sondern sie ist ein komplizierter Prozess, der nicht nur Rationalität und technische Lösungen braucht, sondern auch persönliche Bereitschaft am Prozess teilzunehmen. Das heißt, ich muss mir meiner Gefühle und Ängste bewusst sein, sie ergründen und verbalisieren. Dadurch, dass ich dann über sie spreche und mit dem anderen in Kontakt trete, kann ich vielleicht bestimmte Ängste abbauen und Gefühle klären. Kontakte oder Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturkreisen kostet Gefühle und Energien unddeswegen ist die Integration nicht einfach und das zeigen die Erfahrungen in Frankreich, Deutschland,England u.a., aber sie ist möglich, wenn wir uns auf die emotionale Ebene begeben und Vorurteile bei uns selbst erkennen und bereit sind sie zu lösen.Ein friedliches Zusammenleben betrifft uns alle und niemand darf die Grenzen ohne Erlaubnis umgehen. Wie? Und was sollen wir tun?Erst so übernimmt jeder einzelne die Verantwortung für eine transkulturelle Gesellschaft und ein gezieltes Zusammenleben und im Grunde ist das die einzige Alternative, die wir in unserer globalisierten Welt haben. In Südtirol wird nicht viel für die Integration in diesem Sinne  gemacht. Integration ist nicht nur interkulturelle Kochaktionen, oder  interkulturelles Tanzen, interkulturelles Märchen erzählen, Integration ist mehr…Diese Aktionen sind Schritte, aber sie sind nicht genug. Man muss in die Tiefe denken und arbeiten- über die Rituale, Werte, kulturelle Grundannahmen- damit wir unsereAngst vor dem Unbekannten und unsere Angst, etwas von uns zu verlieren oder aufgeben zu müssen, abbauen können.Was meine ich mit Angst? Für mich setzt sich Angst aus folgenden Komponenten zusammen: die Vorstellung, dass ich persönliche Bedürfnisse aufgeben muss; dass ich mich anpassen muss; dass ich Teile meiner Persönlichkeit verliere. So bringt mich meine Angst dazu, Vorurteile aufzubauen und so eine Distanz zum anderen zu halten.Wie können wir sie abbauen? Wir brauchen in der Gesellschaft Zivilcourage, Dialog undInitiativen, um unser Sein mit anderen Kulturen zu vergleichen.Wie gehen wir auf die Menschen zu? Was passiert in Südtirol?Ohne Begegnungen lernen wir uns nicht kennen. Was passiert wenn eine implizite Kultur einer explizit Kultur begegnet?Was passiert wenn eine monochrone Kultur einer polychronen Kulturbegegnet? Was passiert, wenn ein Familiensystem ein anderes Familiensystem begegnet?Für jede Begegnung gibt es Emotionen, Angst, kulturelle Prägung.  Stellt dir vor, du bist hinter einer Frau im Bus, sie dreht sich um und sieht, dass du Ausländer bist, und hält dann ihre Tasche fest… Stellt dir vor, ein Heimischer teilt Mitteilungen für ein Fest aus. Eine ausländische Familie kommt auch vorbei, der Einheimische dreht sich um und wartet bis diese Familie vorbei geht und teilt dann die Einladungen wieder aus…Stellt dir vor, du gehst in der Stadt mit deinem/deiner einheimischen Freund/Freundin spazieren, plötzlich kommen die Polizisten und behandeln dich wie einen Verbrecher, indem sie deinen Ausweis möchten, dich abtasten, ob du etwas versteckst… Stell dir vor, du gehst auf die Strasse und siehst  überall Plakate mit Slogans gegen Ausländer…Was du nicht siehst, ist, wie sich das bei dem Ausländer drinnen anfühlt. Es fühlt sich schlecht an und ich frage mich, warum bin ich in dieser Gesellschaft nicht gewollt? Warum bin ich verurteilt, bevor ich zeigen kann, wer ich bin?Ich frage mich, wie viele Leute gibt es in dieser Gesellschaft, die kein Interesse haben, wie ich mich fühle, welche Wirkung diese Plakate auf mich, auf meine Persönlichkeit, auf meinen Einsatz für ein friedliches Zusammenleben haben.Diese alltäglichen, nonverbalen Botschaften  beeinflussen den Ausländer/die Ausländerin in seiner/ihrer Partizipation beim Integrationsprozess.  Jeder braucht Aufmerksamkeit, Anerkennung und deswegen sind wir alle eingeladen aktiv zu sein, positiv zu denken.Die Jugendlichen sind leider überfordert. Zu Haus hören sie Vorurteil von der Familie und Freunden. Im Maßmedia werden nur die negativen Nachrichten verbreitet, einige politische Parteien haben das Thema ausgenutzt und Ausländer als Gefahr bezeichnet. Diese Faktoren haben die Angstalimentiert und den Hass gegen Ausländer genährt.  Wir haben uns noch nicht kennen gelernt und wir brauchen Zeit und Bereitschaft von beide Seiten. Ausländer, Einheimische gleichwertig und jeder muss seinen Teil tun “Fifti  Fifti”…Nach meine Erfahrung wissen viele Einheimische und Ausländer nicht viel von den anderen Kulturen und flüchten vom Thema. Beide müssen überlegen wie sie ihre Haltung versuchen zu ändern. Beide haben Angst etwas zu verlieren. Die Frage ist wann höre ich meiner Angst zu? Es gibt keinen Kontakt ohne Angst und Angst zeigt mir die Grenzen.Von mir aus gesehen, können wir unser Zusammenleben mit Dialog und Bereitschaft, Symbole, Rituale, Werte und kulturelle Grundannahmen anderer Kulturen kennen zu lernen und respektieren, ohne zu verurteilen schon schaffen und wir wären dann ein tolles Beispiel nicht nur in Italien, aber auch im ganzen Europa….Südtirol ist ein ideales Land für diese Aufgabe, denn in Südtirol gibt es schon seit langemmehr als 3 Kulturen, die zusammen leben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.